Erich Kuerschner

 

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Erich Kürschner, 40 Jahre Hohnsteiner Puppenspieler

Vor vierzig Jahren sprang am 1. August ein junger Mann aus dem Dresdener Bus, schleppte sein Gepäck den Hohnsteiner Marktplatz hoch und erstieg die Wendeltreppe zu der Burgwohnung der Hohnsteiner Puppenspieler. Er war neunzehn Jahre alt und hatte eben seine Lehre als Drogist beendet. Vor einiger Zeit hatte er die Hohnsteiner spielen sehen, und seitdem war kein Halten mehr gewesen. Jetzt zog es ihn mit aller Macht hierher. Seine Bewerbung, unterstützt von einem älteren Wandervogelfreund, hatte Erfolg, und nun war er da.

Er war da, und ist heute, nach 40 Jahren, noch da, nämlich bei den Hohnsteinern.

Seine Lehr- und Wanderjahre waren kurz, er musste Hals über Kopf in die praktische Arbeit. Die fing bei den sommerlichen Spielen auf der Burg an und wahrscheinlich hat Erich erst blitzen und donnern müssen, ehe er eine Puppe in die Hand bekam. Aber dann, als noch im selben Jahre die Bühne Hans Wickert entstand, {wir nannten sie die Opelbühne) wurde Erich Kürschner der zweite Mann, und da wurde alles von ihm abverlangt: er baute die Bühne auf und ab {und das tut er heute noch), er führte und sprach die Puppen, er hielt die Hilfsmittel bereit und in Ordnung, er beantwortete die tausend Fragen der bühnenstürmenden Freunde des Spiels, und er musste, abwechselnd mit seinem "Chef", den Wagen fahren. Oft weite und unwegsame Strecken über Land. Und das ganz bald nach seinem Entschluss, zu den Hohnsteinern zu gehen .

Darum, weil Erich Kürschner einfach "ins Wasser geworfen wurde, um das Schwimmen zu lernen", ist er auch ein Praktiker des Puppenspiels geworden. Er hat es von der Pieke auf gelernt und ist heute noch da.

Dieses "er ist da" will mir für Erich Kürschner charakteristisch scheinen. Ohne viel Wesen um seine Person zu machen, gehörte er zu den Hohnsteinern. Es kamen "Lehrlinge" und gingen wieder. Erich blieb. Brauchte Max mal gelegentlich einen Spieler, war Erich da. Als Max sich das erste Mal schwarz über die Grenze wagte, (nach dem Zusammenbruch war es nicht ungefährlich), wer begleitete ihn? Erich Kürschner. Auch war er als Vertreter der Hohnsteiner Spieler dabei, als wir 1946 das 25jährige Hohnsteiner Jubiläum in Hohnstein feierten. Und als ich das erste Mal ins zerbombte und trostlose Hamburg kam, um Max wieder zu sehen, war Erich Kürschner der Erste, dem ich zufällig auf der Straße in die Arme lief. Erich ist eben da. Als Max gestorben war, bot auch Erich mir seine Hilfe an, an die ich dankbar zurückdenke.

Bei all dem Zurückschauen darf eins nicht vergessen werden: Erich hatte Eltern, schlichte, schwer arbeitende Menschen, an denen er mit aller Liebe hing. Ihnen ist es zu verdanken, daß sie ihrem einzigen Sohn nichts in den Weg legten, als er seinen sicheren Beruf aufgab und sich mit jugendlichem Schwung und mit Begeisterung ins Abenteuer Puppenspiel stürzte.

Und was wäre heute Erich ohne seine Otti? Die Frau eines Puppenspielers muß viel Verstehen für den Beruf ihres Mannes haben und auf so mancherlei verzichten. Erich hat das Glück, daß Otti es kann.

In Betrachtung der 40 Jahre, dieser so langen Zeit des Hohnsteiner Puppenspiels, wäre noch viel zu sagen. Ich beschränke mich heute auf diesen kurzen Überblick und möchte damit unserem dienstältesten Hohnsteiner unser Aller Dank und meine besonders herzlichen Wünsche zu diesem seltenen Jubiläum sagen.

Marie Jacob

Quelle:
31. Kasper-Brief (Mai 1970);
Freundeskreis der Hohnsteiner Puppenspiele, Hamburg